Tief betroffen

Tief betroffen, versuche ich, zuversichtlich zu sein. Und dennoch fließt mir alles weg: Meine Kraft, die Freude, mein Humor. Als Corona auf uns einbrach, hatte ich das Gefühl, dass nichts Schlimmeres mehr als das passieren kann. Ganz plötzlich sah ich den Tod für mich ganz nah. (Ich weiß schon, es ist tabu, so etwas zu schreiben.) Existenzangst und Lebensbedrohung stiegen in mir auf, begleitet von Symptomen, die man dem Virus zusprach. Das konnte ich alles, ohne ernsthaft zu erkranken, überwinden und war nach kurzem Break fähig, sogar anderen wieder Mut zu machen und uns selbst aus der Krise zu retten (zumindest bis jetzt - ToiToiToi).
Aber jetzt, wo ein Mensch auf so grausame Weise getötet wurde, weil er schwarz war und seine Mörder Rassisten sind, werde ich ganz stumm. Es fällt mir sehr schwer, einen positiven lebensbejahenden Post auf Instagram zu schalten oder auf facebook auch nur irgendetwas über die Tötung zu schreiben, geschweige denn darüber, wie toll die Produkte sind, die gekauft werden dürfen. Nein – ich fühle mich in tiefer Trauer, nicht willens, das Leben zu begrüßen.
Gestern (5.6.) war der Welttag der Umwelt und der stimmt mich nur wütend, weil nicht annähernd genug für den Klimaschutz getan wird. Die Insekten – vor allem die Bienen - sterben weiter, weil Pestizide als Düngung immer noch nicht verboten wird. Die Wälder sterben, weil die Böden zu trocken sind und Monokulturen den Bäumen die Kraft rauben. In Brasilien wird der Regenwald abgeholzt und angezündet. Fossile Treibstoffe bringen die CO2-Emissionen zu unvorstellbar gefährlichen Ergebnissen. Der Permafrost in der Arktis und die Gletscher schmelzen noch so lange bis wir alle darin ertrinken. Die Weltmeere sind vermüllt … and it goes on and on and on and on.

Ist es so, dass wir uns das alles in Ruhe und vielleicht sogar meditativ anschauen sollten? Es gibt niemand, den wir verantwortlich machen können, außer die treibende Kraft der Mehrwertproduktion. Profit bestimmt alles, was die (westliche und östliche) Welt zusammenhält. Und die Liebe? Da ist es wieder – bei diesem Wort fühle ich wieder die Trauer, die Verbundenheit mit all den Menschen, die leiden, die bei der Flucht ertrinken oder sonst wie sterben, die Gewalt erfahren müssen, die benachteiligt werden, keine Achtung erfahren und deren Würde mit Füßen getreten wird.

Mein Apell zum Schluss: Passt mehr denn je gut auf, mit wem Ihr Euch zusammentut, welche Posts Ihr weitergebt. Die Rechten haben die Gunst der Stunde und die allegemeine Verunsicherung genutzt und machen mobil. Schaut, wer bei den Demos - außer friedlichen Demokraten - sonst noch da steht. Da kann doch etwas nicht stimmen, wenn Nazis, Verschwörungstheoretiker und dubiose Gruppen sich unter Menschen mischen, die nur ihren Unmut ausdrücken wollen. Schaut, mit wem Ihr wirklich zu tun haben wollt. Lasst es nicht so weit kommen, bis es zu spät ist, etwas gegen Reaktionäre zu tun.

Ich bin in Liebe verbunden mit all jenen und denen, die sich mit ihrem eigenen Verhalten verantwortungsbewusst dagegen richten.
Diesen Blog-Artikel habe ich nicht in den Social Medien veröffentlicht und beworben und auch sonst nirgends bekannt gemacht. Ich will den Inhalt aber auch nicht verstecken. So ist er für diejenigen, die ihn hier finden und lesen. Danke dafür.
Karin Hunkel

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